Oberliga 1949/50 – 10.Spieltag

ZSG Anker Wismar

1:0

Märkische Volksstimme Babelsberg

ZSG Anker Wismar: Heldt, Szewierski, Schweiß, Reinhold, Thoms, Sültmann, Schultze, Laband, Vick, Rennhack, Minuth. Trainer: Heinz Hartmann

BSG Märkische Volksstimme Babelsberg: Schröder, Balduin, Behrendt, Tietz, Warmo, Kandziora, Schlüter, Fabian, Wolfrum, W. Gießler, E. Gießler. Trainer: Hans Höfer

Schiedsrichter:

Kurt Klengel (Dresden)

Zuschauer:

5.000, Sportplatz Goethestraße (Wismar)

Tore:

1 : 0 Fritz Laband (43.).

Das war prachtvoll, Wismar!

Was Anker Wismar bisher vergeblich versucht hat, einen durchschlagskräftigen Sturm auf die Beine zu stellen. Jetzt endlich scheint er gefunden zu sein. Man machte einen Versuch, stellte Schultze auf Rechtsaußen, setzte Laband als Verbinder ein und Vick wurde Sturmdirigent. Dieses Experiment bewährte sich glänzend und war neben den beiden spielfreudigen Außenläufern

Hauptentscheidend für den Gewinn des zweiten Doppelpunktes. Die oft bewährte Sturmharmonie fehlte diesmal bei den Brandenburgern. Dazu kam, daß Tietz nicht die sonst von ihm gewohnte Form zeigte. Dieser Sieg des mecklenburgischen Landesmeisters ist als gerecht zu bezeichnen und wird durch das 10 : 4 Eckenverhältnis für Anker noch unterstrichen.

Eine große kämpferische Leistung brachte neben der spielerischen Intelligenz der ZSG Anker Wismar dieses 1 : 0-Ergebnis zustande. Nicht unbedeutend war für den Spielausgang die schlechte Beschaffenheit des Platzes, der eine gefällige Flachpaßkombination fast unmöglich machte. Bei den Babelsbergern gefiel nur die schlagsichere Hintermannschaft, aus der besonders Schröder und der eifrig kämpfende Balduin noch herausragten.

Beim Gastgeber war es Schultze, der eine verständige Außenstürmerpartie bot, unterstützt von dem Halbrechten Laband, der auf diesem Posten bedeutend wirkungsvoller zur Geltung kam. Der bisher immer etwas blaß gebliebene Vick erwies sich in der Sturmmitte als der Reißer, der den nötigen Druck in die Fünferreihe brachte. In der Abwehr bewährte sich besonders Szewierski, der den agilen Erwin Gießler fast vollständig beherrschte. Thoms ackert zwar unermüdlich, doch fehlt ihm im Abwehrzentrum noch die nötige Spielübersicht, während Heldt, der nur wenig zu tun bekam, unsicher wirkte. Minuth entwickelt sich von Spiel zu Spiel mehr.

Eine erfreuliche Tatsache: Schiedsrichter Klengel war sehr gut und ließ durch seine klaren Entscheidungen keine Zweifel aufkommen.

Die Mecklenburger waren während der gesamten 90 Minuten leicht tonangebend. Nur vereinzelt gelang es den ohne Bindung spielenden Brandenburgern, die gegnerische Abwehrreihe zu verwirren. Doch mit Glück und Geschick wurden diese brenzligen Situationen überstanden. Das einzige Tor des Tages fiel in der 43. Minute, als Vick den linken Läufer Kandziora umspielt hatte, einen Steilpaß zu dem mitgelaufenen Laband gab und dieser aus vollem Lauf unhaltbar verwandelte. Zwei Minuten später wäre es beinahe 2 : 0 geworden, als Vick nach einem schönen Alleingang frei vor dem Tor stand, doch sein kraftvoller Schuß ging gegen die Querlatte. Auch in der zweiten Halbzeit war Wismar einem zweiten Treffer bedeutend näher als die Märkische Volksstimme dem Ausgleich.

SG Hans Wendler Stendal

1:1

BSG Vorwärts Schwerin

SG Hans Wendler Stendal: Zur Hose, Henning, Muthke, Scheel, Bredick, Brüggemann, Alpert, Zimmermann, Wittenbecher, Westphal, Vogel. Trainer: Paul Kugler

BSG Vorwärts Schwerin: Körtje, Giersch, Friedrich, Wasielewski, Böhme, Heyduck, Dehn,

Westphal, Petersen, Siegert, Ott. Trainer: Walter Böhme

Schiedsrichter:

Walter Schaub (Leipzig)

Zuschauer:

5.000, Stadion am Hölzchen (Stendal)

Tore:

1 : 0 Hans Zimmermann (25.), 1 : 1 Helmut Petersen (75.).

BSG Vorwärts Schwerin spielte 1 : 1

Wie eng unsere Fußballwoche schon mit den Aktiven aus allen Teilen der Demokratischen Deutschen Republik verbunden ist, davon bekamen wir gestern bei der Fertigstellung unserer Zeitung einen Einblick. Unser Mitarbeiter aus Stendal übermittelte uns Sonntag vom Punktspiel zwischen der BSG Hans Wendler Stendal gegen die BSG Vorwärts Schwerin keinen Spielbericht. Alles in der Redaktion war aufgeregt, erst ein Telefonat mit dem Kreissport-Ausschuß Stendal glättete die Wellen der Erregung. Der bei Hans Wendler Halblinks spielende Westphal war dann der Retter in der Not und gab uns wenigstens mit einigen kurzen Worten einige Angaben von dem ehrenvollen Unentschieden der Vorwärts-Elf.

Die Stendaler als die technisch bessere Mannschaft spielten zwar einen gefälligeren Fußball doch die Stürmerreihe ließ im Verlauf der 90 Minuten viele Torgelegenheiten ungenutzt vorübergehen. Immer wieder rannten sich die zu kompliziert spielenden Stürmer an der gut deckenden Hintermannschaft der Mecklenburg fest. Besonders der unermüdlich in der Deckung schaffende Außenläufer Böhme und der mit letztem Einsatz spielende rechte Verteidiger Siegert waren die Besten in der Vorwärtsmannschaft. Eine sehr gute Leistung vollbrachte auch der sehr gut und sicher amtierende Schiedsrichter Schaub.

Während Zimmermann nach einem Abwehrfehler des Schweriner Torhüters Körtje Mitte der ersten Halbzeit seine Elf mit 1 : 0 in Führung bringen konnte, war es Petersen, der bei einem plötzlichen Durchbruch ungefähr in der 75. Minute den Ausgleichstreffer erzielen konnte und damit seiner Mannschaft einen vielumjubelten Punkt rettete.

BSG Franz Mehring Marga

1:1

BSG KWU Erfurt

BSG Franz Mehring Marga: Schwarick, Hentschel, John, Schurrmann, H. Lehmann, Auras, Weist, E. Lehmann, Rieger, Hennemann, Franke. Trainer: Hermann Fischer

BSG KWU Erfurt: Senftleben, Hoffmeyer, Machts, Brock, Nordhaus, Jochen Müller, Löbe,

Hammer, Möller, Nitsche, Köhler. Trainer: Hans Carl

Schiedsrichter:

Dorgerlow (Torgelow)

Zuschauer:

4.000, Sportplatz an der Badeanstalt (Brieske-Ost)

Tore:

0 : 1 Wolfgang Nitsche (60.), 1 : 1 Herbert Rieger (69.).

Senftleben rettete Erfurt ein Remis

Wieder einmal bewies die BSG Franz Mehring, daß sie auf eigenem Gelände für jeden Gegner eine schwer zu bezwingende Elf ist. Das mußte auch die BSG KWU-Fortuna Erfurt feststellen, die nicht über ein 1 : 1 hinauskam. Wahrscheinlich wäre es noch schlimmer geworden, wenn in der zweiten Halbzeit, in der Drangperiode des Gegners, nicht der ruhige und sichere Torwart Senftleben unhalt-

bar scheinende Schüsse gemeistert hätte. Eine Überraschung war der rapide Formanstieg der beiden Marga-Außenstürmer Weist und Franke, die am vergangenen Sonntag noch eine äußerst schwache Partie geliefert hatten. Bei den technisch versierten Erfurtern machte sich die mangelnde Bindung im Sturm einmal mehr unangenehm bemerkbar, wodurch mehrere gut herausgearbeitete Chancen nicht ausgenutzt werden konnten.

In einem sehr harten, aber dabei doch fairen Kampf bewährte sich wieder einmal die kämpferische Einstellung der Grubenstädter, die durch dieses Unentschieden weiterhin in der Spitzengruppe verbleiben.

Während die erste Halbzeit noch ohne größere Höhepunkte blieb, änderte sich dieses Bild grundlegend nach dem ersten Treffer. Spannende Szenen vor beiden Toren, harte Zweikämpfe im Mittelfeld, dabei gingen die Zuschauer dann auch mit.

Die Erfurter hatten ihre Stürmerreihe erneut umgestellt, ohne aber eine größere Durchschlagskraft zu erzielen. Das Fehlen von Herz macht sich doch kolossal bemerkbar. Der herausragende Mannschaftsteil im Fortuna-Ensemble war die Läuferreihe. Jochen Müller und Brock bauten geschickt auf und der beste Erfurter, Nordhaus, spielte nicht nur Stopper, sondern bewährte sich auch als Offensiv-Mittelläufer! Trotz einer Handverletzung wird Schwarick von Sonntag zu Sonntag besser. Bei John macht sich immer noch die Knöchelverletzung bemerkbar. Der beste Spieler bei den Gastgebern war Horst Lehmann, der durch seinen klärenden Schlag und durch sein gutes Stellungsspiel sich vielfach als Zerstörungsspieler bewährte. Auras bot eine schwächere Partie (im Aufbau besser werden). Neben Lehmann war der bereits schon erwähnte 23-jährige Weist die beste Kraft, der durch seine gefährlichen und genauen Flanken ständig Gefahr vor dem Tor von Senftleben schuf. Während es Rieger an Kondition fehlt, war Hennemann diesmal ein gänzlicher Ausfall, wodurch auch der langsam wieder in Form kommende Franke nicht so zur Geltung kam.

Kurzer Spielverlauf: Fortuna Erfurt beginnt mit dem Wind im Rücken und ist in der ersten Viertelstunde mächtig Überlegen. Trotzdem hat Mehring die erste Torchance, als Franke frei vor dem Tor stehend aus

6 Meter verschießt. Der zu unproduktiv spielende Erfurter Sturm versucht die Deckung des Gastgebers durch kurzes Paßspiel zu überwinden, kann aber nie durchdringen.

Ein verändertes Bild in der zweiten Halbzeit. Marga wird offensiv und erzwingt eine durchaus offene Partie. In der 60. Minute gelingt den Erfurtern endlich der Führungstreffer, als Löbe ein Mißverständnis zwischen Auras und John ausnutzt, sich freispielt, den Ball in die Mitte flankt und Nitsche zum 1 : 0 einknallen kann. Diesen Vorsprung wollen die Erfurter halten. Sie werden jetzt in die Defensive gedrängt und angefeuert von den Einheimischen, versucht Mehring wenigstens einen Punkt zu retten. Dieses vorhaben gelingt in der 69. Minute, als Machts von Weist umspielt wird. Nordhaus muß eingreifen, der Ball wird in die Mitte zu Rieger geschoben, und dieser kann freistehend sicher verwandeln. Jetzt bäumen sich die Erfurter auf. Noch einmal setzen sie alles auf eine Karte, doch der ersehnte Siegestreffer gelingt nicht mehr. Im Gegenteil, Senftleben bekommt unerhört zu tun und nur mit viel Glück übersteht die KWU-Mannschaft die letzten bangen Minuten des von Dorgerlow hervorragend geleiteten Spiels.

BSG Gera-Süd

2:2

ZSG Union Halle

BSG Gera-Süd: Blumert, Sturm, Zergiebel, Frey, Golde, Breitenstein, Weiß, Klotz, Buschner,

Schönfeld, Ritter. Trainer: Erich Dietel

ZSG Union Halle: Schmidt, Belger, Lehmann, Blanke, Werkmeister, Knefler, Horter, Kubitzke, Rappsilber, Ebert, Gola. Trainer: Fred Schulz

Schiedsrichter:

Fritz Walther (Leipzig)

Zuschauer:

7.500, Stadion der Freundschaft (Gera)

Tore:

0 : 1 Horst Ebert (21.), 1 : 1 Harry Frey (38.), 2 : 1 Edgar Klotz (55.), 2 : 2 Karl Gola (78.).

Horst Weiß Mittelstürmer Geras

Spannung herrschte auf der Anlage der Röhrischen Betriebssportler. Mit der Hereinnahme von Golde glaubte man fest an einen Sieg. Doch lange blieb die Angriffswaffe stumpf. Einmütige Fest-stellung: Gerechter Ausgang nach 90 spannungsreichen und mit Erbitterung durchgeführten Kampfminuten. Wir wagen zu behaupten: Mit dem Ex-Planitzer Horst Weiß, der sich von seiner besten Seite zeigte, von Anfang an im Sturmzentrum, wäre der Meister um eine Niederlage nicht herumgekommen. Dem Spiel voraus ging ein Zeremoniell, mit der Überreichung der Bundesfahne für den Zweiten im Endspiel des Wanderpokals des FDGB. Der Kreisvorsitzende Pischl, der die Grüße von Herbert Warnke überbrachte, sagte „Möge sie flattern im Sinne der Freiheit, des Friedens und eines geeinten Deutschlands.“

Trotz starken Windes können die Einheimischen den Vorteil nicht nutzen. Der Stürmerreihe fehlt es an Bindung. Knefler bringt als 6.Stürmer das Spiel auf volle Touren. Ebert weicht dem gefährlichen Flanken-läufer aus. Mit dem prächtig aufgelegten Horter hat Golde seine liebe Not. Der erste Höhepunkt: Gola paßt vorbildlich zur Mitte. Ebert erkennt die sich bietende Chance und bringt in der 21. Minute seine Mannschaft in Führung. Ein Treffer, so recht nach dem Geschmack der Fußballfreunde, doch keine Hand rührt sich zum Beifall.

Breitenstein kann Wirbelwind Ebert nicht halten. Nach der ersten halben Stunde tauschen Schönfeld und Weiß die Plätze. Die Läufer versuchen es mit Toreschießen, da Buschner im Angriff ausfällt, Klotz zu weit hinten und Ritter zu weit innen steht. Ein Weitschuß von Frey sieht ungefährlich aus, Schmidt glaubt, daß er über die Querlatte geht und bleibt unbeweglich stehen. Das Leder aber senkt sich zum Ausgleichstreffer in die Maschen. Die restlichen Spielminuten gehören den Einheimischen: Nach der Halbzeit: Weiß steht auf dem richtigen Posten, das Spiel läuft, begeistert gehen die Zuschauer mit. Abwehrparaden, technische Feinheiten, Schußleistungen, kämpferische Haltung stehen im Vordergrund. Ein starkes Aufbäumen des Gastgebers. Jedoch Werkmeister zeigte in dieser Gefahrenzeit Ruhe und Sicherheit, sein Störungsspiel gegenüber Weiß und Ritter lassen die Klasse erkennen. Lehmann rettet auf der Torlinie. Weiß trifft den Pfosten. Blanke köpft zur Ecke. 15 Minuten lang Doubletten auf Doubletten. Dann ist es Ritter, der eine Vorlage aufnimmt, den freistehenden Klotz bedient und dieser enttäuscht nicht. 2 : 1! Der aufbrausende Jubel kennt keine Grenzen. Doch die Freude war zu früh. Der Meister versucht, die Spielführung wieder an sich zu reißen, um die drohende Niederlage abzuwenden. Horters und Golas Treffer finden keine Anerkennung, werden aus Abseitsstellung erzielt. Blumert zeigte sein Können. Rappsilber schüttelte den Kopf über diese Leistung. Horter schießt den Ball auf den Mann, Der Tormann kann nicht festhalten, der Nachschuß von Gola bringt das gerechte Unentschieden.

Weiß, Golde, Blumert, Horter, Rappsilber, Werkmeister und Knefler waren die Spielerpersönlichkeiten, die im Blickfeld der Begeisterung standen.

BSG Einheit Meerane

0:1

ZSG Industrie Leipzig

BSG Einheit Meerane: Broß, Baumgart, Mühlbächer, Ploch, Rothe, Zierold, Lichtenstein, Goethe, Starke, Brock, Heyne. Trainer: Franz Strasser

ZSG Industrie Leipzig: Busch, Gödicke, Brembach, Pönert, Rose, Polland, Sommer, Steuer,

Hübler, Fröhlich, Klaus. Trainer: Fritz Krauß

Schiedsrichter:

Franz Huhn (Schwaan)

Zuschauer:

3.000, Richard-Hofmann-Stadion (Meerane)

Tore:

0 : 1 Gerhard Hübler (66.).

Im Zeichen starker Deckungsreihen

Schwere Positionskämpfe bahnen sich an, sie gelten dem Verbleib in der DS-Liga. Das erlebten auch 3.000 Tuchstädter, die sich mit den wenigen Torgelegenheiten hüben und drüben an diesem naßkalten und mit Schneegestöber durchsetzten Adventssonntag nicht „erwärmen“ konnten.

Der torlose Ausgang schien unvermeidbar zu sein. Schon traten die ersten den Heimweg an. Einfädler Fröhlich versuchte es zum soundsovielten Male. Auch in der 89. Minute schien der Ball

in der gegnerischen Deckung, die bis dahin ohne Tadel ihr Arbeitspensum verrichtet hatte, hängen zu bleiben. Rothes befreiender Schlag blieb aus. Vom angeschossenen Ploch kam das Leder zum Tank Hübler, der nach seiner in Altenburg erlittenen Knöchelverletzung immer der Vorsichtige blieb. Die Situation erfassend, piekte er den Ball an dem überraschten Päßler-Ersatz zum 1 : 0 ein.

Schiedsrichter Huhn aus Schwaan, ließ die Meeraner ahnen, daß qualifizierte Unparteiische noch vor-handen sind. Die Einheimischen, denen die Platzsperre noch nicht einleuchtet, sind trotz des nahenden, versöhnenden Weihnachtsfestes dem Erfurter Schmidt immer noch böse. BSG Einheit zog die Lehren aus dem Spielverbot. Annähernd 150, mit roten Armbinden versehene Ordner hielten trotz „Sichtbehinderung“

Ausschau, fanden aber wenig Gelegenheit, ordnungsgebietend einzugreifen.

Das Duell der beiden Übungsleiter, Strasser und Krauß, die am Lehrgang in Leipzig teilnehmen, ent-schied der letztere für sich, er hatte bei seiner Aufstellung eine glückliche Hand. Fritz Gödicke, der nach 17-wöchiger Pause bereits im Samstagsspiel der Altrepräsentativen eine Halbzeit lang mitmachte, spielte „mit Köpfchen“. Er vermied Zusammenstöße und beschattete den linken Flügel Brock-Heyne, so daß der immer noch gefährliche Ex-Dresdner selten zum Zuge kam. Der Engelmann-Ersatz Zierold gefiel nicht.

Sein Zuspiel landete stets beim Gegner. Ihr Soll erfüllten hundertprozentig der sich allen Gefahrenmoment-en wachsam entgegenstellende Busch im Tor, der linke Läufer Polland und Linksverteidiger „Mühle“, der von Fuß bis Kopf auf Abwehr eingestellt war! Beide Schlußdreiecke arbeiteten ohne jeden Fehler. „Oskar“, mit dem zweiten Wind spielend, machte es mit der Kraft, während Baumgart die elegante Spielweise be-

vorzugte. Man sah von Goethe, Starke und Heyne in der Zeit von der 45. bis zur 60. Minute, die dem Platzbesitzer vier Ecken einbrachte, einfallsreiche Spielhandlungen.

Trotz einer durch Lagerleerlauf in Threna hervorgerufenen Panne und damit ungemütlichen 90 Minuten Aufenthalts, bekam den Industrie-Spielern das Umsteigen in den geheizten Interzonenbus. In keiner Phase des Spiels verloren sie die Übersicht. An allen Angriffshandlungen war die Nummer 10 beteiligt. Steuer und Hübler profitierten davon, doch wird bei ihnen das Toreschießen „groß“ geschrieben. Polland vergriff sich in der Wahl seiner Mittel, legte Starke um. Heynes Freistoß blieb in der Mauer hängen. Busch muß viel in Aktion treten. Hübler wird von Steuer gut eingesetzt, der Schuß trifft den Pfosten. Lichtenstein rückt zu weit nach innen. Ein kurz vor der pause gegebener Freistoß, wegen Hand von Ploch, sieht Broß auf dem Posten. Ohne Pause geht es weiter. Die Einheimischen wollen es wissen. Von den Dämmen hallt es im Chor: „Hugo… Hugo…“ Doch auch in den zwingendsten Situationen strahlt Busch Ruhe und Können aus.

Ganz groß seine Abwehrleistung nach der vierten Ecke, die Goethe mit abgezirkeltem Drehschuß ins Eck feuert. Zweimal läuft Hübler in die Abseitsfalle. Dann ist es Steuer, der nach einem Foul Rothes Revanche-

gelüste zeigt. Zierolds „Rückendeckung“ nahm dem Schiedsrichter die Sicht, sonst hätte es „verdienten Weihnachtsurlaub“ gegeben.

Während des ganzen Spiels gab es nur einmal rauhen Seemannston zwischen Heyne und Rose. Mit der Feststellung „es geht auch ohne“ soll die allgemein vorherrschende Fairness den Akteuren bescheinigt werden.

SG Dresden-Friedrichstadt

4:0

BSG Waggonfabrik Dessau

SG Dresden-Friedrichstadt: Birkner, Kreisch, Jungnickel, Pohl, Köhna, Kreische, Drognitz, Werner, Lehmann, Schön, Keßler. Trainer: Helmut Schön

BSG Waggonfabrik Dessau: Doebler, Höhne, Kusmierek, Matthies, Breitmann, Manthey, Pescher, Theile, Kersten, Welzel, Rottmann. Trainer: Hans Manthey

Schiedsrichter:

Franz Huhn (Schwaan)

Zuschauer:

40.000, Heinz-Steyer-Stadion (Dresden)

Tore:

1 : 0 Henry Keßler (21.), 2 : 0 Helmut Schön (34.), 3 : 0, 4 : 0 Kurt Lehmann (40., 57.).

Den Sieger zeichnete Kampfmoral ausfällt

Die Vorentscheidung der DS-Liga rief – und schon strömten die Dresdner Zuschauer herbei, unter ihnen auch unverwüstliche Anhänger aus der Industriestadt Dessau. Dicht gedrängt standen sie alle und bildeten einen Hexenkessel voller Leidenschaft und heißem Fußball-Temperament. Nicht 10.000, nicht 20.000, nicht 30.000, nein, 40.000 waren es, so wie wir es erwartet hatten. Das ominöse 4 : 0-Ergebnis feierte wieder einmal eine Wiederholung. Kürzlich gewann KWU gegen Waggon 4 : 0, und vorher verlor Friedrichstadt in Brieske-Ost gegen BSG Mehring 0 : 4. Jetzt stellt sich diese vier zu null nochmals ein. Daß Friedrichstadt diese Ergebnis mit 10 gegen 11 (während

70 Minuten) schaffte, das ist verblüffend!

Nicht der Sieg an sich ist das Wesentliche der großen Dresdner Vorentscheidung, sondern die kämpferisch ausgezeichnete Art, in welcher die SG Friedrichstadt sich an die erste Stelle in der DS-Liga setzte. Man bedenke: Genau 69 Minuten lang spielte Friedrichstadt nur mit zehn Mann, eine böse Verletzung des kleinen Keßler (dem wir hiermit unser mitempfinden zum Ausdruck geben) schien die Position des diesmal in veränderter Kluft und mit Rückennummern spielenden Sachsenmeisters gefährlich werden lassen. Aber in der Stunde der Not und Bewährung wuchs die Mannschaft eines Helmut Schön und eines Kurt Schulze über sich hinaus. Die 40.000 sahen sofort, daß sie keinesfalls gewillt war, die Rolle des tragisch Verlierenden zu übernehmen. Nicht die spielerischen, sondern die kämpferischen Qualitäten traten hervor. Friedrichstadt blieb, nachdem Henry Keßler, bei allen bekannten Fehlern doch irgendwie unantastbarer Publikumsliebling in der 21. Minute ausschied und nur einmal vorübergehend für 5 Minuten wiederkam, 10 Mann stark. Aber es blieb stark! Es holte sich das 3 : 0-Pausenergebnis in der Haltung des Favoriten, und es verteidigte dann den Vorsprung eine ganze Halbzeit lang ohne jedes Schwanken und aus dem immer deutlicher zutage tretenden Gefühl der Sicherheit, daß es diesmal nur einen geben konnte, der des Sieges würdig war – nämlich der Sachsenmeister, 4 : 0 – dieses Ergebnis stimmt haar-genau, und weder wäre es gerecht gewesen, wenn Friedrichstadt einen Treffer mehr erzielt hätte, noch Waggon Dessau der ehrgeizig angestrebte Gegentreffer geglückt wäre. Das muß in aller Deutlichkeit gesagt werden.

Spielerisches Können zu kurz gekommen

Viel Lob ist fällig, in erster Linie für den Sieger. Seine Moral bei 10 gegen 11 war hervorragend. Seine Mannschaftsharmonie blieb auch in den Brennpunkten nicht gefährdet. Seine Taktik gut und gescheit. Der Viermännersturm wartete in raffinierter Position auf das Austeilen der Schläge.

Das Beste an der Waggon-Elf: Sie gab nie auf, auch nicht bei 0 : 4, immer wieder erfaßte eine Wieder-

gutmachungswelle die roweiße Elf. Einige auch technisch nette Szenen kamen. Die innere Kraft und Kon-zentration der Gegenseite fehlte aber. Das ungewohnte Milieu des 40.000köpfigen Hexenkessels lähmte den einen oder anderen. Aber die einzigartige Atmosphäre solcher großen Entscheidungen wird in den Dessauern erhalten bleiben, auch im Falle dieser eindeutigen Niederlage. Es waren immerhin 40.000 Zuschauer und es war immerhin ein hartnäckiger, verbissener Kampf. Übrig bleibt: die Erinnerung an einen großen Fußballtag…

Und doch, und hier meldet sich das Gewissen des sehr kritisch eingestellten Betrachters, trotz aller Widerwärtigkeiten wie des die Ballkontrolle beeinträchtigenden Windes, trotz glatten Geläufs, hohen Einsatzes, das Spiel ist zu kurz gekommen! Die erste Voraussetzung für wirkliche Klasse bleibt selbstver-

ständlich Technik. Die gleichfalls in einem Atemzug zu nennende zweite: Körperbeherrschung.

Wir haben erst jetzt am Beispiel der Ungarn-Gewerkschaft, der Bayern-Auswahl erneut erkannt, daß Geschmei-digkeit, In-Stellung gehen, Start-Schnelligkeit, erstklassige Kondition, dem Ganzen die Vollendung geben. Wir müssen das einseitige Nur-Fußballtraining fallen lassen, die Lehre des Körpers und die Beherrschung des Körpers haben mit im Vordergrund zu stehen. Diese Behauptung wurde auch am 18. Dezember im Steyer-Stadion in ihrer Richtigkeit bestätigt.

Vier Treffer gut eingeleitet und vollendet

21. Minute Hansi Kreische gab einen Freistoß vor, Lehmann riß den 160pfündigen Körper hoch,

köpfte seitlich zur Mitte und der Wirbelwind Keßler war da, zog den Ball mit glattem Schuß ins Netz.

Doebler, herauslaufend und ohne Chance, riskierte mit fahrlässig erhobenem Bein gegen Keßler das

(unerlaubt) Letzte und traf Keßler. Der LA zuckte zusammen, wurde hinausgetragen – Freude und Unglück in einer Sekunde, Jubel und Protest in einer Minute. War das ein Pyrrhus-Erfolg?

34. Minute: Drognitz war inzwischen auf Linksaußen herüber geschwenkt, der Viermännersturm formierte sich so: Werner-Lehmann-Schön-Drognitz. Angriffe Friedrichstadts blieben häufiger. Pohl drehte nahe der Einwurflinie einen Freistoß mit dem traumwandlerisch-sicheren Gefühl des Klassespielers herein, der lange Helmut und der mitunter zu zaghafte Doebler sprangen nach dem Ball, höher als des Tormanns Faust kam Schön, von seinem Kopf (na bitte: Köpfchen, Köpfchen!) sprang der Ball über die Linie. Hoch die Arme – das war der vor Freude überquellende Nationalspieler Schön, nicht in der jetzigen Form, aber in der gleichen Art des gescheiten Stellungsspiels. Umarmende Spieler, jubelnde, sich heißer brüllende Zuschauer, Stimmung, Stimmung….

40. Minute: Hans Manthey hatte inzwischen die ersten Umdisponierungen getroffen. Er ging vor, der schnellfüßige Rottmann als linker Läufer zurück. Manthey Halbrechts, Theile Rechtsaußen, der behende Pecher Linksaußen. Aber es sah vieles abgehackt und ohne Bindung aus. Lampenfieber, schlechte Kondition? Wahrscheinlich auch eine Sache der Nerven. Friedrichstadt hingegen hatte mehr innerlichen Mumm. In der 39. Minute kam Keßler zurück, ein Schrei der 40.000 empfing ihn und der verdoppelte sich, denn des technischen Meisters Werner kunstvoll herumgeholter Flankenball (flach, genau auf den Mann gesetzt) zirkelte Lehmann ein wenig glücklich (Stopper Breitmann: den Mann decken!) ins Netz. Der blonde Höhne hatte Pech, sein langes Bein war beim Spagat doch nicht lang genug.

57. Minute: zur zweiten Halbzeit war Keßler nicht mehr mitgekommen – gegen den Wind und mit 10 gegen 11, schlechte Aussichten für Friedrichstadt.: nach langer Anlaufzeit schoß der kleine Keßler ein teuer erkauftes Tor! So war die Vor-bereitung: der blonde Hansi Kreische gab einen Freistoß vor, Lehmann riß den 160pfündigen Körper hoch,

köpfte seitlich zur Mitte und der Wirbelwind Keßler war da, zog den Ball mit glattem Schuß ins Netz.

Doebler, herauslaufend und ohne Chance, riskierte mit fahrlässig erhobenem Bein gegen Keßler das

(unerlaubt) Letzte und traf Keßler. Der LA zuckte zusammen, wurde hinausgetragen – Freude und Unglück in einer Sekunde, Jubel und Protest in einer Minute. War das ein Pyrrhus-Erfolg?

34. Minute: Drognitz war inzwischen auf Linksaußen herüber geschwenkt, der Viermännersturm formierte sich so: Werner-Lehmann-Schön-Drognitz. Angriffe Friedrichstadts blieben häufiger. Pohl drehte nahe der Einwurflinie einen Freistoß mit dem traumwandlerisch-sicheren Gefühl des Klassespielers herein, der lange Helmut und der mitunter zu zaghafte Doebler sprangen nach dem Ball, höher als des Tormanns Faust kam Schön, von seinem Kopf (na bitte: Köpfchen, Köpfchen!) sprang der Ball über die Linie. Hoch die Arme – das war der vor Freude überquellende Nationalspieler Schön, nicht in der jetzigen Form, aber in der gleichen Art des gescheiten Stellungsspiels. Umarmende Spieler, jubelnde, sich heißer brüllende Zuschauer, Stimmung, Stimmung….

40. Minute: Hans Manthey hatte inzwischen die ersten Umdisponierungen getroffen. Er ging vor, der schnellfüßige Rottmann als linker Läufer zurück. Manthey Halbrechts, Theile Rechtsaußen, der behende Pecher Linksaußen. Aber es sah vieles abgehackt und ohne Bindung aus. Lampenfieber, schlechte Kondition? Wahrscheinlich auch eine Sache der Nerven. Friedrichstadt hingegen hatte mehr innerlichen Mumm. In der 39. Minute kam Keßler zurück, ein Schrei der 40.000 empfing ihn und der verdoppelte sich, denn des technischen Meisters Werner kunstvoll herumgeholter Flankenball (flach, genau auf den Mann gesetzt) zirkelte Lehmann ein wenig glücklich (Stopper Breitmann: den Mann decken!) ins Netz. Der blonde Höhne hatte Pech, sein langes Bein war beim Spagat doch nicht lang genug.

57. Minute: zur zweiten Halbzeit war Keßler nicht mehr mitgekommen – gegen den Wind und mit 10 gegen 11, schlechte Aussichten für Friedrichstadt. Helmut Schöns Verbinderarbeit wurde noch größer.

Trotz zahlreicher Kabinettstückchen war aber auch die Grenze seines Wirkungsbereiches erkennbar. Immerhin: Er war vorbildlicher Mannschaftsspieler, sich aufopfernd. Aus der Deckung heraus führte Friedrichstadt den entscheidenden Schlag: Schön zu Lehmann, der für einen Sekundenbruchteil ungedeckt, zog sofort den Ball mit halber Körperdrehung ins Netz, flach, exakt, sicher. Doeblers Wurf kam zu spät. Lange drängte nun BSG Waggon, aber ohne mit seinem überlegenen Spiel Eindruck zu machen.

22 im Rampenlicht der Kritik

Friedrichstadt Mann für Mann: Birkner hielt ausgezeichnet, mit einem ganz kleinen Schuß ins Schauspielerische. Er ist selbstbewußter geworden – und besser! Kreisch zuverlässig, Routine, Routine! Jungnickel mitunter im Schlag zu unrein, aber Wirbelwind. Kreisch-Jungnickel: eine gute Paarung. Mittelläufer Köhna: Anfangs schlecht, im Druck gut, am Ende ausgezeichnet. Der Weg vom Talent zum Könner ist aber lang. Pohl: Fing holpernd an, hatte Schmerzen in der Leistengegend (Drüsen), hatte im Nahkampf mit Welzel auch unsaubere Szenen, war aber wichtig für die kämpferische, erfolgreiche Linie des Friedrichstadtspiels. Kreische: begann tastend, hielt zuerst den Ball zu lange, hatte offensichtlich die Order, Theile festzunageln. Nach und nach klar die große Begabung zeigend. Drognitz: ein überall zu verwendender Stürmer, schnell, gescheit. Werner: technisch famos, viele gute Züge, Einfühlungsvermö-gen. Schön: alles schon gesagt, oft der Meister, dann aber eine resignierende Bewegung zum lädierten Knie. Aber noch hält es! Lehmann: hatte es sehr schwer, der Stopper Breitmann fegte ihn zuerst weg, aber Lehmann trainiert nicht umsonst fleißig, er hielt durch, wurde allmählich erfolgreicher. Er wird noch besser werden. Keßler: glänzender Anfang, dann betrübliches Ende. Schade!

Bei Waggon Dessau: steckte Doebler den zu ruhigen (innerlich aber doch befangenen) Torwart heraus. Einige gute Szenen, aber bei Tor Nr. 2 und 4 nicht schuldlos. Höhne gut, nachdem Keßler ausschied. Vorher: Keßler setzte sich durch! Kusmierek: verteidigte famos, langer Schlag. Aber wenn Lorenz wieder in Ordnung ist, geht Kussi vor, Waggon braucht nämlich schußstarke Stürmer! Mathies und Manthey nicht überragend diesmal, Mathies konnte den langen Schön nicht richtig fassen. Manthey hielt den Ball zu lange. Das sonstige Überragende fehlte. Und dann: einen Schritt zu langsam. Aber sie sind dennoch Mannschaftsstützen. Breitmann eine Halbzeit lang trotz des 0 : 3 ein guter, energischer Stopper, nachher sorglos im Abdecken. Pecher ist schnell, wird noch. Kersten ohne Selbstvertrauen, dabei über gute Technik verfügend. Theile zu sehr auf sich allein gestellt, sehr gefährlich! Rottmann als Außenläufer besser. Welzel leitete viel ein – aber Tore schießen konnte nur Theile, und der wurde genau bewacht!

ZSG Horch Zwickau

1:0

ZSG Altenburg

ZSG Horch Zwickau: Otto, Fuchs, Jugel, Schneider, Breitenstein, Möckel, Schürer, Heinze,

Kunack, Lenk, Meier. Trainer: Friedrich Müller

ZSG Altenburg: Jäschke, Hercher, Sittner, Pohle, Klemig, Melzer, Vollert, Usemann, Thiere, Friedemann, Seifarth. Trainer: Herbert Klemig

Schiedsrichter:

Willi Schmidt (Schönebeck)

Zuschauer:

5.000, Westsachsenkampfbahn (Planitz)

Tore:

1 : 0 Günter Schneider (82. / Elfmeter).

Der Sieg stand auf des Messers Schneide!

Altenburg ist nicht so schlecht, als es der Tabellenstand besagt, meinten die meistens objektiven Zwickauer Zuschauer, die am ersten Weihnachtsfeiertag, nicht restlos von den Leistungen „Ihrer“ Mannschaft befriedigt, die Westsachsenkampfbahn in Planitz verließen. Als großer Favorit trat die horch-Elf an, doch zeigte es sich im Verlauf des Spiels, daß die Gäste (mit Rückennummern) an Härte und Schnelligkeit den Platzherren zeitweise ebenbürtig, ja sogar streckenweise überlegen waren. Die Ballbehandlung stellte auf Grund der eisigen Oberfläche an alle 22 Spieler große Anforderungen. Siegessicher und bestens vorbereitet begannen die Westsachsen, doch bald klärte sich die Situation. Die ersten Angriffe verpufften. Altenburg kam auf und schuf recht brenzlige Situationen für die Zwickauer Hintermannschaft. Wohl stellten die Zwickauer die technisch bessere Mannschaft, ließen aber – trotz zeitweiliger herrlicher Kombinationen – in ihrer Angriffsreihe den letzten Einsatz vermissen.

Die schnellen Außenstürmer Seifarth und besonders Vollert stellten durch ihre trickreichen und stets gefährlichen Durchbrüche die Zwickauer Hintermannschaft vor eine schwere Aufgabe. Die gut gemeinten Angriffe der Platzherren waren stets eine sichere Beute der fast unüberwindlichen Altenburger Abwehr-mauer, aus der besonders Mittelläufer Klemig herausragte und die Aufgabe des ruhenden Pols erfüllte.

Der mit allen Raffinessen beschlagene Lenk inszenierte in der 51. Minute einen Angriff, der die inzwischen erkalteten Herzen der 5.000 treuen Zuschauer höher schlagen ließ. Den Meier zugeschobenen Ball erhielt Lenk dann weiter hereingepaßt, und ein Pfundschuß sauste an die Latte. Dem vorzüglichen Torsteher Jäschke gelang es unter Aufbietung seiner letzten Kräfte, das Leder über diese zur Ecke zu drücken.

Nach dem Ausscheiden von Sittner in der 58. und Klemig in der 61. Minute (Letzterer wurde von Lenk verletzt), stand es sehr schlecht um die neun Akteure der Thüringer, die bis zur Wiederkehr beider Spieler in der 65. Minute völlig in die Enge gedrückt wurden. Altenburgs große Chance vergab in der 66. Minute Vollert, der von Pohle das Leder bekam, Jugel umspielte, aufs Tor zustürmte und den Zwickauer Torsteher Otto herauslockte. Er verstand es nicht, über diesen hinweg ins leere Tore zu schießen, sondern knallte das Leder glashart an die Latte. Auf der Gegenseite arbeitete sich Schürer wunderbar durch, flankte zum freistehenden Meier und dieser schoß aus vier Meter Entfernung aufs Tor. Der unüberwindlicher Klemig aber stand eisern auf der Torlinie und schlug den Ball weit ins Feld zurück. Die Sensation des Tages passierte acht Minuten vor dem Abpfiff. Hercher bekam den Ball an die Hand geschossen und drückte diese durch eine Reflexbewegung im Strafraum nach unten. Für den einwandfreien Schiedsrichter war es schwer, auf Strafstoß zu entscheiden, den Schneider in sicherer Manier zum einzigen glücklichen Tor des Tages verwandelte.

„Bange machen gilt nicht“, und mit letzter Kraft bewiesen die Thüringer, daß sie sich noch nicht geschla-gen bekannten. Sie brachten in den Schlußminuten noch einmal die Hintermannschaft der Westsachsen völlig außer Rand und Band

Jäschke erwies sich als Beherrscher des Strafraums und blieb nicht, wie sein Gegenüber, öfter auf der Torlinie stehen. Meier, schnell und wendig, verstand es, den schlagsicheren Hercher des öfteren aus zu spielen. Sittner war neben dem überragenden Klemig sehr gut in der Abwehr und stellte Schürer fast immer schachmatt. Heinze hatte bei Melzer einen schweren Stand, wogegen Lenk durch seine Spielübersicht meistens Sieger gegen Pohle wurde.

Im Sturm der Gäste gefielen besonders die beiden Außenstürmer, vor allem Vollert. Fuchs war mit seinen Abschlägen weitaus besser als in den letzten Treffen. Breitenstein spielte den wieselflinken Stopper und ließ Thiere wenig zur Entfaltung kommen. Schiedsrichter Schmidt (Schönebeck) gebührt uneingeschränk-tes Lob, er qualifizierte sich – bis auf den Strafstoß, den viele Schiedsrichter nicht gegeben hätten – für weitere größere Aufgaben.

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